Journal Freitag, 4. April 2025 – Die Nashörner im Volkstheater
Gut geschlafen, aber immer noch Nachholbedarf. Weil abends ein Theaterbesuch zu viert anstand (also kein echtes Wochenende), zog ich gleich das Kleid dafür an, vorläufig kombiniert mit geh-freundlichen Schuhen. Das hob schonmal meine Laune. Wie angekündigt startete ein herrlicher Sonnentag, ich genoss den Marsch in die Arbeit. Auf der Theresienwiese erste Indizien für Aufbau Frühlingsfest. […]

Gut geschlafen, aber immer noch Nachholbedarf.
Weil abends ein Theaterbesuch zu viert anstand (also kein echtes Wochenende), zog ich gleich das Kleid dafür an, vorläufig kombiniert mit geh-freundlichen Schuhen.
Das hob schonmal meine Laune.
Wie angekündigt startete ein herrlicher Sonnentag, ich genoss den Marsch in die Arbeit.
Auf der Theresienwiese erste Indizien für Aufbau Frühlingsfest.
Für gestern wusste ich auswendig eigentlich nur von einer anstehenden Aufgabe, ein wenig mühsam, aber machbar. Zu der kam ich dann erst am Nachmittag, weil ich zum einen überm tumultösen Donnerstag ganz viel Kleinscheiß vergessen hatte (deshalb führe ich Listen) und weil zum anderen der eine oder andere Querschuss dazwischen kam – Assistentinnen-Alltag. Zudem nahm ich mir Zeit für ein Gespräch. Konzentration schwierig, Tempo auch.
Spaziergang zum Mittagscappuccino durch sonnige Herrlichkeit unter wolkenlosem Himmel und in kühlendem Wind.
Mittagessen Crowdfarming-Orangen – so sauer, dass sie mich verärgerten: Ich esse sehr ungern Dinge, die mir nicht schmecken, will allerdings auch nichts Essbares wegwerfen. Also schluckte ich die Stücke schnell und fast ungekaut. Außerdem (deutlich besser) Apfel, Pumpernickel mit Butter.
Emsiger Nachmittag, pünktlicher Feierabend. Auf dem Heimweg gönnte ich mir zwei Sträuße Tulpen, um das Wohnungswohnen am Wochenende zu verschönen. Daheim war gerade noch Zeit, diese Sträuße zu versorgen, dann brach ich mit Herrn Kaltmamsell Richtung Volkstheater auf: Wir waren schon zu einem Abendessen vor Vorstellung verabredet, im angeschlossenen Restaurant Schmock.
Verbrezelung des Kleides.
Detail an der Hauner’schen Kinderklinik.
Spaziergang durch herrlichen Frühling zum Volkstheater, dort freudiges Wiedersehen mit ganz alten Bekannten (an der Uni als Kollegen kennengelernt), Austausch von Neuigkeiten (es tauchen die ersten Enkelkinder auf, leider ist es auch die Zeit von Todesmeldungen aus dem frühren Kollegenkreis).
Das Theaterstück, zu dem wir verabredet waren: Eugène Ionesco, Die Nashörner.
Die Inszenierung gefiel mir gut: Wie ich schön öfter am Volkstheater erlebt hatte, sangen die Schauspieler*innen im mehrstimmigen Chor, es gab vor allem am Anfang großartig choreografierte Tanzeinlagen, ich war völlig fasziniert, wie gezielt und in drei Dimensionen der Bühnenraum genutzt wurde – zum Beispiel als im rechten Drittel ein Bühnenelement hochgefahren wurde, zu einer eigenen Bühne mit Brüstung wurde: Ein Büro. Darin spielten die Büroszenen, wie Tanzszenen choreografiert, der Text dazu wie ein Chorstück inszeniert – überhaupt eine ungemein präzise Inszenierung. Musik spielte eine große Rolle, die auffallende Lücke im Medienmix: Filmprojektion, ohne die ich schon sehr lange keine Inszenierung mehr gesehen hatte (mir fehlte sie überhaupt nicht).
Überrascht und fasziniert war ich, wie gut ich den Text des Stücks kannte – ich erinnerte mich vage, dass wir in der Schule absurdes Theater durchgenommen hatten, anscheinend sehr gründlich. Und im anschließenden Gespräch mit unserer fachkundigen Theaterbegleitung kamen wir drauf, dass in den späten 1980ern, frühen 1990ern die Werke des absurden Theaters besonders häufig auf die deutschsprachigen Bühnen gebracht worden waren.
Als politisches Statement fand ich die Inszenierung nicht unbedingt angelegt (auch das gibt es heute noch), ich sah eher das Thema Wahrnehmung in Abgleich mit Fakten in Abgleich mit Mehrheitsmeinung zu Wahrnehmung, sah eher das Spannungsfeld Individuum/Gesellschaft. Es bleibt ohne eindeutige Aussage viel in der Schwebe, sowohl im Stück als auch in der Inszenierung – das gefiel mir sehr gut.
Vor allem sah ich eine ausgesprochen vergnügliche Show, zu 90 Prozent unrealistisch gespielt (passend zum Text), meist auch komisch. Bühnenbild in Weiß und Neongrün in erster Linie funktionial, der Knaller der Ausstattung: Die drei lebensgroßen Nashörner, die fürs Schlussbild auf die Bühne kamen und die ich umgehend haben wollte.
Erst der Rezension in der Süddeutschen (€) entnehme ich, dass es tatsächlich zur Inszenierung Merchandise im Foyer gegeben hätte – was ja perfekt zum Inhalt des Stückes passt. Gutes Theater, Empfehlung.
Auch die Dauer des Stücks von 1 Stunde 45 Minuten begrüßte ich, so kamen wir nicht zu spät nach Hause und ins Bett.