Plattenkritik: Japanese Breakfast – For Melancholy Brunettes (& sad women) (Dead Oceans) - Hunting High And Low Fi

Schon melancholisch, aber auch mit vielen hell leuchtenden Momenten präsentiert sich die Band um Michelle Zauner auf dem vierten Album. Vor nun schon achteinhalb Jahren veröffentlichte Michelle Zauner mit ihrer Band Japanese Breakfast ihr Debütalbum „Psychopomp“. Ein sehr persönliches Album, zu dem Ji-Hun ein auch sehr persönliches Interview mit der Künstlerin geführt hat. Von der „Indie-Überraschung des Jahres“ hat Zauner sich zu einer bekannten und festen Größe des Genres entwickelt, ganz nebenbei ist sie gefeierte Buchautorin geworden. Kürzlich erschien ihr viertes Bandalbum – zugleich ist es das erste richtige Studioalbum, entstanden in den Räumen von Sound City in L.A., während man die Vorgänger in Lagerhäusern, Wohnwagen und Lofts aufnahm. Zur Seite stand der Band Blake Mills, der schon mit Bob Dylan, Fiona Apple, Feist oder Beck – to name but a few – zusammengearbeitet hat. Die Weichen gestellt für Größeres also? Mag sein, klingt doch beispielsweise der Opener „Here Is Someone“ deutlich nach großer Produktion als nach Lo-Fi-Indiepop, ebenso das sphärische „Orlando In Love“. Aber: Es darf auch mal ganz schlicht zugehen auf „For Melancholy Brunettes (& sad women)“, etwa bei den traumhaften Songs „Little Girl“ oder „Leda“, die Zauners bezaubernder, fragiler wie kraftvoller Stimme Raum zur Entfaltung geben. Danach stimmt tatsächlich „The Dude“ Jeff Bridges bei „Men In Bars“ ins Duett ein, in bestem Tom-Waits-Timbre. Das etwas larmoyant betitelte Album klingt in meinen Ohren zuversichtlicher, als wie dem Schönen der eigenen Musik – und das wäre dann ganz zurecht – vertrauend. Alles ein bisschen professioneller, ein bisschen glamouröser – das opulente Stilleben-Artwork des koreanischen Modefotografen Pak Bae, der für die ganz großen Magazine shootet – passt dazu. Aber am Ende doch aus der Feder einer Songwriterin und mit der Stimme einer Sängerin, die immer noch ganz bei sich zu sein scheint. Ob sie noch ihren Reiskocher mit auf Tour nimmt? Werden wir sie beizeiten fragen.

Apr 4, 2025 - 19:01
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Plattenkritik: Japanese Breakfast – For Melancholy Brunettes (& sad women) (Dead Oceans) - Hunting High And Low Fi
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Schon melancholisch, aber auch mit vielen hell leuchtenden Momenten präsentiert sich die Band um Michelle Zauner auf dem vierten Album.

Vor nun schon achteinhalb Jahren veröffentlichte Michelle Zauner mit ihrer Band Japanese Breakfast ihr Debütalbum „Psychopomp“. Ein sehr persönliches Album, zu dem Ji-Hun ein auch sehr persönliches Interview mit der Künstlerin geführt hat. Von der „Indie-Überraschung des Jahres“ hat Zauner sich zu einer bekannten und festen Größe des Genres entwickelt, ganz nebenbei ist sie gefeierte Buchautorin geworden. Kürzlich erschien ihr viertes Bandalbum – zugleich ist es das erste richtige Studioalbum, entstanden in den Räumen von Sound City in L.A., während man die Vorgänger in Lagerhäusern, Wohnwagen und Lofts aufnahm. Zur Seite stand der Band Blake Mills, der schon mit Bob Dylan, Fiona Apple, Feist oder Beck – to name but a few – zusammengearbeitet hat. Die Weichen gestellt für Größeres also? Mag sein, klingt doch beispielsweise der Opener „Here Is Someone“ deutlich nach großer Produktion als nach Lo-Fi-Indiepop, ebenso das sphärische „Orlando In Love“. Aber: Es darf auch mal ganz schlicht zugehen auf „For Melancholy Brunettes (& sad women)“, etwa bei den traumhaften Songs „Little Girl“ oder „Leda“, die Zauners bezaubernder, fragiler wie kraftvoller Stimme Raum zur Entfaltung geben. Danach stimmt tatsächlich „The Dude“ Jeff Bridges bei „Men In Bars“ ins Duett ein, in bestem Tom-Waits-Timbre.

Das etwas larmoyant betitelte Album klingt in meinen Ohren zuversichtlicher, als wie dem Schönen der eigenen Musik – und das wäre dann ganz zurecht – vertrauend. Alles ein bisschen professioneller, ein bisschen glamouröser – das opulente Stilleben-Artwork des koreanischen Modefotografen Pak Bae, der für die ganz großen Magazine shootet – passt dazu. Aber am Ende doch aus der Feder einer Songwriterin und mit der Stimme einer Sängerin, die immer noch ganz bei sich zu sein scheint. Ob sie noch ihren Reiskocher mit auf Tour nimmt? Werden wir sie beizeiten fragen.