Unsichere Zeiten, vertraute Looks: Warum Nostalgie jetzt der größte Modetrend ist

Ein Blick auf die aktuellen Laufstege fühlt sich an wie eine Zeitreise. Doch hinter dem Nostalgie-Hype steckt mehr als nur Trendbewusstsein – es ist eine kollektive Sehnsucht nach der Vergangenheit.

Mar 26, 2025 - 22:05
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Unsichere Zeiten, vertraute Looks: Warum Nostalgie jetzt der größte Modetrend ist

Ein Blick auf die aktuellen Laufstege fühlt sich an wie eine Zeitreise. Doch hinter dem Nostalgie-Hype steckt mehr als nur Trendbewusstsein – es ist eine kollektive Sehnsucht nach der Vergangenheit.

Wenn eine Stilregel Zeit und Modetrends überdauert, dann ist es diese: Alles kommt irgendwann wieder. Immer wieder erleben wir Neuauflagen ikonischer Pieces aus vergangenen Jahrzehnten. Doch in dieser Saison scheint der Nostalgie-Trend neue Dimensionen angenommen zu haben. 

Mode-Nostalgie: J'adore Dior, j'adore le passé

Das französische Modehaus Christian Dior setzt in seiner Herbst-/Winter-Kollektion 2025 auf ein bewährtes Kultstück: das berühmte "J'adore Dior"-T-Shirt. Der ikonische Print, der bis heute ein Verkaufsschlager in jedem noch so exklusiven Vintage-Store ist, feierte sein Debüt einst unter der kreativen Führung von John Galliano. Doch dabei bleibt es nicht: Auch die Paddington-Bag von Chloé, die bei dem ein oder anderen noch verstaubt in den Tiefen des Kleiderschranks schlummern dürfte, hat sich seinen Platz zurück auf den Runway erkämpft. Und als wäre das nicht genug, müssen Millennials nun tief durchatmen – denn der Totenkopf-Print von Alexander McQueen, der in den 2010ern in fast jedem Millennial-Kleiderschrank zu finden war, ist ebenfalls zurück auf dem Laufsteg.

Alexander McQueen, Chloé, Christian Dior.
Alexander McQueen, Chloé, Christian Dior.

Tamagotchis auf dem Runway

Doch nicht nur das Wiederaufleben vergangener Trend-Pieces entführt uns in dieser Saison auf eine modische Zeitreise. Fendi spielt bewusst mit einem Gefühl der Vergänglichkeit und setzt Plüschtiere als Accessoires ein. Und Coperni inszeniert Tamagotchi-artige Taschenanhänger, die sofort nostalgische Erinnerungen und das vertraute Gefühl der Verantwortung für ein kleines Plastik-Haustier in uns wecken dürften. 

Coach, Fendi, Coperni AW 25.
Coach, Fendi, Coperni AW 25.

Die Flucht in die Vergangenheit

Doch was steckt hinter dem überwältigenden Comeback der 2000er? Ein Blick auf die aktuelle Weltlage lässt die Antwort erahnen: Unsere Gegenwart ist instabiler und unsicherer denn je. Es überrascht daher nicht, dass wir uns nach einer vermeintlich einfacheren Vergangenheit sehnen. So flüchten wir uns gedanklich zurück in unsere Kindheit, als die größte Verantwortung darin bestand, das Tamagotchi am Leben zu halten. Oder in die Teenagerjahre, in denen die größte Lebenskrise war, dass der Schwarm nicht zurückgeschrieben hat. Die aktuellen Trends wirken wie ein Bilderbuch der Vergangenheit, gefüllt mit vertrauten Symbolen und Erinnerungen an eine Zeit, in der die Welt für die Generation Z und die der Millennials noch überschaubarer erschien.

Vintage-Boom auf dem roten Teppich

Doch nicht nur die Laufstege schwelgen in Nostalgie. Auch während der diesjährigen Award-Season waren Vintage-Kleider begehrter denn je. "Wicked"-Star Cynthia Erivo beispielsweise wählte für ihre großen Auftritte extravagante Roben aus den streng gehüteten Archiven der renommiertesten Designer:innen der Welt – ihre Mission: Geschichten erzählen und Emotionen wecken. Der Nostalgie-Trend beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Modebranche. Auch Musiker:innen und Bands setzen bewusst auf die Sehnsucht nach einer sorgloseren Zeit. Immer häufiger werden alte Hits neu interpretiert, Tourneen basieren auf Erfolgen von vor 15 bis 20 Jahren. Neue Songs? Neue Erfolge? Zweitrangig. Das Ziel ist klar: Für einen Moment durchatmen, sich in die Leichtigkeit vergangener Zeiten flüchten und die Unbeschwertheit des Lebens feiern.