Ordnungscoach Angela Straßburger verrät: Das ist der größte Fehler beim Putzen und Aufräumen
Ordnung halten mit wenig Aufwand, davon träumen viele. Wie es gelingen kann und welcher Fehler oft gemacht wird, weiß Angela Straßburger.

Ordnung halten mit wenig Aufwand, davon träumen viele. Wie es gelingen kann und welcher Fehler oft gemacht wird, weiß Angela Straßburger.
Wie gelingt Putzen und Ordnung halten ohne Stress? Der größte ,"Fehler", den Ordnungs- und Mentalcoach Angela Straßburger immer wieder sieht, "ist, dass sich schlicht zu viel auf einmal vorgenommen wird". Dabei werde die eigene Zeit und Energie unrealistisch eingeschätzt, so die Autorin von "Weniger Zeug, mehr Freiheit" (mvg Verlag). Im Interview mit spot on news gibt sie Tipps, wie man mit wenig Aufwand Ordnung schafft.
Liebe Frau Straßburger, was können Sie am Ordnungszustand einer Wohnung über ihre Bewohner ablesen?
Angela Straßburger: Mehr als man denkt, doch oft ist es nicht das Offensichtliche ,"Außen Chaos, Innen Chaos" oder im Umkehrschluss "Zuhause aufgeräumt, Innen aufgeräumt". Das wäre zu einfach. Wir Menschen sind komplexer als das. Ordnung und Unordnung können aber durchaus ein Ausdruck dessen sein, was im Inneren passiert. Eine Wohnung kann viel erzählen - über Lebensphasen, innere Zustände, überlastete Nervensysteme, aber auch über Werte und Gewohnheiten.
Dauerhafte Unordnung kann auf anhaltenden Alltagsstress, Überforderung, emotionale Erschöpfung und auch fehlende Struktur hinweisen. Penible Sauberkeit kann aber auch ebenso Ausdruck von Kontrollbedürfnis und innerem Druck sein, nicht nur von Struktur und innerer Ruhe - nämlich dann, wenn jemand Stress versucht über die Kontrollausübung, in diesem Fall Putzen und Aufräumen, zu kompensieren oder seine Leistung im Haushalt von seinem eigenen Wert abhängig macht. Es gibt natürlich auch viele weitere Szenarien dazwischen: Gelebtes Chaos mit Struktur kann auch darauf schließen lassen, dass hier jemand wohnt, der oder die sich selbst Raum gibt, oder aber auch sich nicht ganz angekommen fühlt. Hier kann man gut erkennen: Wir können und dürfen nicht über einen Menschen urteilen aufgrund des Zustands seiner Wohnung. Aufschluss über eine Person und was sie braucht, um sich wohl in ihrem Zuhause und in sich zu fühlen, gibt immer nur das direkte Gespräch.
Wie viel Ordnungsliebe oder Unordnung wird einem anerzogen, wie viel steckt in der Persönlichkeit? Kann man sich generell von einem unordentlichen Menschen zum Ordnungsliebhaber mausern?
Straßburger: Die eigene Beziehung zu Ordnung gründet auf einer Mischung aus Prägung und Persönlichkeit. Viele von uns haben gelernt, dass Ordnung mit Kontrolle, Leistung oder sogar dem eigenen Wert verbunden ist. Manche wurden in einem Umfeld groß, in dem Chaos normal war - innerlich, wie äußerlich. Andere wiederum haben Ordnung als Sicherheitsanker erlebt. Was wir oft übersehen: Ordnung ist nicht das Gleiche für jeden. Manche Menschen brauchen Klarheit im Außen, um sich sicher zu fühlen. Andere funktionieren eher kreativ im "geordneten Chaos". Beides ist okay - solange es sich nicht belastend anfühlt. Und ja: Man kann sich definitiv vom unordentlichen Menschen zum Ordnungsliebhaber entwickeln. Aber nicht durch starre Disziplin, die die eigenen Bedürfnisse übergeht, sondern dadurch herauszufinden, warum ich mir mehr Ordnung wünsche. Denn was wir verstehen dürfen, ist, dass im Kern nicht die Ordnung unser Wunsch ist, sondern das Gefühl, was wir hoffen durch das aufgeräumte Zuhause in unserem Alltag zu fühlen: Leichtigkeit, Ruhe, Wohlbefinden. Ordnung darf sich gut anfühlen, und nicht wie ein nie enden wollendes To-Do.
In Zusammenhang mit der täglichen Hausarbeit ist oft von Sisyphusarbeit die Rede. Was sind Ihre drei wichtigsten Tipps, um davon wegzukommen und mit wenig Aufwand Ordnung zu halten?
Straßburger: Zunächst einmal dürfen wir eines verstehen: Der Haushalt ist nicht dafür gemacht, dass wir jemals fertig damit werden. Der Haushalt ist kein Projekt, das wir beginnen und beenden, sondern eine laufende Gegebenheit, die durch unsere Lebendigkeit aufrechterhalten wird - denn wo Bewegung ist, dort wird Unordnung entstehen. Der erste Schritt ist also erstmal hier die Negativbewertung herauszunehmen, denn letztlich ist der Haushalt für uns einfach nur ein Beiprodukt vieler wunderbarer Gegebenheiten, für die wir dankbar sein dürfen. Die Hausarbeit ist ein Kreislauf, kein Ziel.
Mein zweiter Tipp ist, sich nicht auf den gesamten Berg zu konzentrieren, sondern den Fokus auf das, was als nächstes dran ist, zu halten. Wenn wir in unseren Wohnbereich kommen und das erste, das wir als unsere Aufgabe sehen, das komplette Chaos ist, dann ist eine Überforderung vorprogrammiert. Gehen Sie stattdessen Schritt für Schritt durch den Raum und bedenken Sie immer: 10 Minuten aufräumen und nicht fertig werden, ist immer besser als sich zu viel vorzunehmen und nie zu beginnen.
Und zu guter Letzt: Arbeiten Sie mit flexiblen Routinen, nicht mit Listen. Wenn Sie Routinen heben, die fest verankert sind, dann brauchen Sie nicht immer wieder die Entscheidungskraft aufbringen, und damit mentalen Platz belegen, zu entscheiden, was jetzt zuerst dran ist oder wann Sie am Tag was einschieben können. Routinen sollten in Ihr Leben passen und Ihnen Flexibilität und Raum für das "lebende Leben" geben - denn dazwischen kommt immer etwas im Alltag.
Neben Ordnung und Sauberkeit ist für viele Menschen auch Gemütlichkeit ein wichtiger Faktor. Welche Farben oder Einrichtungsgegenstände machen ein Wohnzimmer oder eine Wohnküche gemütlicher?
Straßburger: Gemütlichkeit ist vor allem ein Eindruck, ein Gefühl - und das entsteht durch weiche Materialien, wie Decken und Kissen oder Teppiche mit Struktur, warme und sanfte Lichtquellen, runde Formen und Farben, die erden und beruhigen. Beispielsweise Erdtöne, warmes Beige, gedecktes Grün, Terrakotta und auch Stilelemente aus Holz, Kerzen und ähnliches können für mehr Gemütlichkeit im Raum sorgen. Wir dürfen auch, wenn wir uns z.B. nach Feng Shui orientieren wollen, darauf achten, den Energiefluss im Raum nicht zu unterbrechen - das bedeutet also auch möglichst vollgestellte Flächen und herumliegenden Kram zu vermeiden. Grundsätzlich geht es hier nicht darum einen perfekten Raum zu gestalten, sondern mit Persönlichkeit und Liebe vorzugehen und sich etwas Verständnis für die Wirkung im Raum anzueignen.
Der Frühjahrsputz steht an. Was gehört für Sie persönlich dazu und wie und wo legt man am besten los?
Straßburger: Der Frühjahrsputz ist für mich mehr Energiearbeit für mein Außen als wahrloses Putzen. Es geht darum, den Staub und die Dunkelheit des Winters abzustreifen, das Licht einzuladen und Raum für neue Energie zu schaffen. Eine Grundreinigung der Geräte, Ausmisten und Umräumen von Kleidung, das Vorbereiten der Terrasse und des Außenbereichs sowie das Aufräumen von Flächen, aber auch das Saubermachen der Ecken, denen wir sonst nicht so viel Aufmerksamkeit schenken.
Ich starte dort, wo der erste Eindruck meines Hauses beginnt: im Eingangsbereich. Und so gehe ich nach einem intuitiven Plan, den ich vorher erstellt habe, durch mein Zuhause. Das Wichtige, um dranzubleiben ist, sich nicht zu viel zuzumuten und sich darauf zu fokussieren, was Ihnen wirklich wichtig ist. Der Frühjahrsputz sollte kein Abgerackere darstellen, sondern ein Akt der Fürsorge sein. Also ist es auch wichtig, dabei auf die eigene Energie zu achten und seine Zeit realistisch einzuschätzen. Nehmen Sie sich Räume statt ganze Wohnungen vor und arbeiten Sie sich Raum für Raum durch Ihr Zuhause - so wie es sich für Sie gut anfühlt.
Gibt es einen Fehler beim Ausmisten, Putzen oder Ordnung halten, der Ihnen immer wieder begegnet und wie schafft man Abhilfe?
Straßburger: Definitiv. Der größte "Fehler", den ich immer wieder sehe, ist, dass sich schlicht zu viel auf einmal vorgenommen wird und dabei die eigene Zeit und Energie unrealistisch eingeschätzt wird. Die meisten nehmen sich direkt als Ziel "das ganze Haus ausmisten" und verlieren sich dann in Details oder Perfektionismus. Die Lösung hierbei ist, klein und mit Fokus zu starten. Fangen Sie in einem Raum an und arbeiten Sie sich Möbelstück für Möbelstück und Gegenstand für Gegenstand durch. Fragen Sie sich bei jedem Teil, das sich schwierig anfühlt loszulassen, nicht nur "Brauche ich das?", sondern "Wofür halte ich daran noch fest?". Anhaltende Ordnung entsteht nicht durch Kontrolle und Druck. Sondern durch bewusste Entscheidungen für das, was Ihnen wirklich dient und gegen den Ballast.