Zum Tod von Val Kilmer: Er begegnete Krankheit und Tod mit Glauben
Der von dem Glauben der "Christlichen Wissenschaft" überzeugte Val Kilmer begegnete den Themen Krankheit und Tod auf sehr besondere Weise.

Der von dem Glauben der "Christlichen Wissenschaft" überzeugte Val Kilmer begegnete den Themen Krankheit und Tod auf sehr besondere Weise.
Val Kilmer ist im Alter von 65 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Seine Krankheitsgeschichte startete schon vor fast genau zehn Jahren - auch wenn er das anders sehen würde.
Seit 2014 gab es immer wieder Spekulationen um den Gesundheitszustand Kilmers. Seine Krebserkrankung war ein Thema, das Kilmer aus religiösen Gründen so lange wie möglich abstritt. 2015 widersprach er nach einem Krankenhausaufenthalt auf Facebook den Gerüchten um einen angeblichen Tumor. "Ich habe weder einen Tumor noch eine Tumoroperation oder irgendeine Operation gehabt." Ein Jahr später erzählte sein Freund und Kollege Michael Douglas (80) der Presse, dass Kilmer an genau derselben Erkrankung leiden würde, die auch bei ihm diagnostiziert worden war. Auch das dementierte Kilmer. Erst zwei Jahre nach den ersten Gerüchten gab Kilmer in einer Fragerunde bei Reddit erstmals seine Krebserkrankung zu, indem er sagte, er sei geheilt.
Kilmer war Anhänger der "Christlichen Wissenschaft" - und gegen seine Behandlung
Der öffentliche Umgang mit seiner Krankheit hatte mit seinem Glauben zu tun: Val Kilmer war Anhänger der Religionsgemeinschaft "Christliche Wissenschaft", in der Heilung durch Gottvertrauen und nicht durch Schulmedizin stattfinden soll. In einem Interview mit der "New York Times" erklärte Kilmer 2020 laut "Entertainment Tonight", dass in seinem Glauben eine Diagnose eher eine Behauptung sei als eine Tatsache. Ursprünglich hatte der Schauspieler auch geplant, sich keiner traditionellen Behandlung zu unterziehen und den Krebs stattdessen mit der Hilfe seines Glaubens zu begegnen. Dieser Plan änderte sich lediglich wegen seiner Kinder Jack (29), und Mercedes (33). "Ich wollte einfach nicht ihre Angst erleben, die sehr groß war", sagt Kilmer. "Ich hätte weggehen müssen, und ich wollte einfach nicht ohne sie sein."
Es folgten Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen, in deren Folge er einen Luftröhrenschnitt und eine Ernährungssonde benötigte. Obwohl Kilmers Ärzte seine Behandlungen als erfolgreich betrachteten, glaubte der Schauspieler, dass sein Glaube und sein Gebet ihn geheilt und die Behandlungen ihm eher geschadet hätten. "Das kommt von der Bestrahlung und der Chemotherapie. Das kommt nicht vom Krebs", sagte er beispielsweise über seine Trachealkanüle. "Diese 'Behandlung' hat mein Leiden verursacht." In seinen 2019 erschienenen Memoiren "I'm Your Huckleberry" schrieb Kilmer, dass er über vier Jahre krebsfrei sei und bezeichnete seine Genesung als "Wunderheilung".
Angst vor dem Tod hatte Kilmer dank seines Glaubens nicht. "Jemand kommt zu dir und sagt, du hast nur noch vier Monate zu leben und das Konzept von Zeit ist ein menschliches Konzept. Wenn man das göttliche Konzept von Zeit beschreibt, gibt es keine", so Kilmer.
Stimme mit KI wiederbelebt
Einen seiner letzten Auftritte hatte Kilmer 2022 in "Top Gun: Maverick". Die Drehbuchautoren haben Kilmers Geschichte über seine Krebserkrankung bewusst in die Handlung eingeflochten, in der Kilmer als Iceman mit Tom Cruise' Figur kommuniziert, indem er seine Worte in einen Computer tippt. Im realen Leben sprach Kilmer mit der sonannten Ösophagusstimme, einer neu erlernten Ersatzstimme, die oft unnahbar wirkt. Seine wirkliche Stimme versuchte er, mithilfe von KI wiederzubeleben. Dafür stellte der Schauspieler dem Unternehmen Sonantic Stunden Archivmaterial zur Verfügung, wodurch ein Modell seiner Stimme erstellt wurde.
In einem Statement sagte Kilmer über die neue Technologie: "Als menschliche Wesen ist die Fähigkeit zu kommunizieren der Kern unserer Existenz, und die Nebenwirkungen des Kehlkopfkrebses haben es für andere schwierig gemacht, mich zu verstehen. Die Chance, meine Geschichte mit einer Stimme zu erzählen, die sich authentisch und vertraut anfühlt, ist ein unglaublich besonderes Geschenk."