Starke Initiative und smarte Kampagne für #Social Media ab 16

Der Verein Smarter Start setzt sich für eine Smartphonefreie Kindheit ein. Jetzt fordert er mit einer Petition, dass Social Media erst ab 16 Jahren erlaubt werden, begleitet von Kampagne der Agentur Überground. Wir haben den Kreativen einige ...

Apr 3, 2025 - 07:48
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Starke Initiative und smarte Kampagne für #Social Media ab 16

Der Verein Smarter Start setzt sich für eine Smartphonefreie Kindheit ein. Jetzt fordert er mit einer Petition, dass Social Media erst ab 16 Jahren erlaubt werden, begleitet von Kampagne der Agentur Überground. Wir haben den Kreativen einige Fragen dazu gestellt.

Bereits 2019 hat sich aus einer Hamburger Elterninitiative der Verein Smarter Start gegründet, der seither für eine Smartphonefreie Kindheit kämpft.

Und jetzt auch dafür, dass Social Media erst für Jugendliche ab 16 Jahren zugänglich sind. Ganz so wie in Australien.

»Social Media machen aus kindlicher Neugier ein Geschäftsmodell« heißt es von Smarter Start und, dass die jungen Menschen verlieren, was Jugend einmal war: Freiheit, Unbeschwertheit und echte Erlebnisse. Stattdessen fördern Social Media exzessiven Konsum bis hin zur Sucht, verstärken Depressionen, setzen junge Menschen Fake News, Hassreden und Propaganda aus, ermöglichen Cybermobbing und sexuelle Belästigung.

Mit einer Petition im Bundestag ist Smarter Start jetzt aktiv geworden – und die wird von einer Kampagne unterstützt, die auf die Risiken von Social Media für Kinder aufmerksam macht.

Entwickelt hat die Kampagne die Hamburger Agentur Überground und sie zeigt so bunt wie eindringlich, wo die wirklichen Gefahren für Kinder und Jugendliche lauern.

Und das sind nicht die Spinnen oder Monster, für denen sie Angst haben.

Die Kampagne ist ab sofort in ganz Deutschland zu sehen und wird dabei von Ströer und TV-Wartezimmer unterstützt. Und von Überground.

Wir haben den Hamburger Kreativen ein paar Fragen zu ihrem pro bono Engagement, zu der Petition und der Kampagne gestellt.

»Kindheit schützen. Social Media verzögern.«

Ihr von Überground habt das komplette Branding für »Smarter Start« entwickelt – und das pro bono. Wie kam es dazu? Und warum liegt euch das Thema so am Herzen?
Jo Marie Farwick und Überground: Weil wir Eltern sind. Weil wir Strateg:innen sind. Weil wir Medienmacher:innen sind. Und weil wir miterleben, wie die erste Generation mit Smartphone in der Tasche eine neue Form von Kontrollverlust durchlebt – emotional, körperlich, sozial. Wenn niemand dieses Thema mutig anpackt, bleibt es im »Elternjammer« oder endet in Schuldzuweisungen. Deshalb haben wir mit voller Überzeugung die visuelle Identität von Smarter Start ab 14 entwickelt.
Smarter Start ab 14 redet nicht um den heißen Brei herum und packt an – aber eben nicht mit Schockbildern oder Zeigefinger-Ästhetik, sondern mit einem farbintensiven, optimistischen Branding, das Haltung transportiert, ohne laut zu werden.

Mit »Adoleszenz« ist die Brutalität sozialer Medien gerade stark diskutiert. Ein Glücksfall, dass das Thema jetzt so präsent ist?
Ja. Die Debatte ist überfällig – was fehlte, war ein konkretes Ziel. Smarter Start hat es formuliert und mit seiner Bundestagspetition einen wichtigen Impuls gesetzt. Wir unterstützen diese Initiative mit Strategie, Sprache und Gestaltung – weil wir überzeugt sind: Eine starke Forderung braucht ein starkes Design.

Die Petition fordert ein gesetzlich festgelegtes Mindestalter für Social Media. Was genau ist der Plan?
Wir wollen keine symbolische Debatte, sondern reale Veränderung. Die Altersgrenze ist juristisch möglich – also wird sie jetzt politisch verhandelt. Die Petition ist der Anfang. Sichtbarkeit, gesellschaftliche Mobilisierung und politische Anschlussfähigkeit sind das Ziel.

Die Kampagne kommt ohne drastische Bilder und ohne Kinder mit Smartphones aus. Stattdessen setzt sie auf eine klare, freundliche Bildsprache und positive Tonalität.
Das war nicht nur eine gestalterische Entscheidung, sondern auch eine pragmatische: Es gab kein Budget für ein Shooting, also haben wir mit Illustrationen und Headlines gearbeitet. Unser Ziel war eine Awarenesskampagne, die nicht abschreckt, sondern zugänglich ist. Keine Schuldzuweisungen, keine Betroffenheitsästhetik. Unsere Art Direktorin Nele Lang hat das im ersten Entwurf auf den Punkt gebracht – mit dem Spinnenmotiv, das die Angst eines Kindes der realen Gefahr im Netz gegenüberstellt. Das war so klar, dass die logische Konsequenz eine ganze Kampagne basierend auf ihrer Idee war.

Wie ist die Bildwelt insgesamt entstanden?
Die Illustrationen stammen von Nele und Moritz Winkels, beide Art Direktoren bei uns. Die einfache, aber eingängige Linienführung passt zu Smarter Start, die Characters sind in Still schon super, aber in animiert total aufmerksamkeitsstark.
Wir wollten einen Style, der bewusst gegen die Schwarzweiß-Rhetorik der Debatte geht – und stattdessen Selbstwirksamkeit und Zukunftsfähigkeit kommuniziert.

Im Zentrum stehen prägnante Typografie und starke Statements. Was ist die Idee dahinter?
»Kindheit schützen. Social Media verzögern.« – darum geht es. Die Sprache der Kampagne ist reduziert, direkt, argumentativ klar. Kein Haltungsgewitter, sondern echte Tatsachen, die mit Zahlen belegbar sind, verdichtet auf Zeilen. In Verbindung mit dem minimalistischen Typokonzept schaffen sie Wiedererkennbarkeit und Positionierung – auf Plakaten, online, im Diskurs.

Wie geht es mit der Initiative weiter?
Wir bleiben dran. Mit #unphoneschools haben wir bereits eine erste erfolgreiche Initiative realisiert – auch sie wurde in Design und Kommunikation von uns begleitet. Aktuell arbeiten wir an weiteren Formaten: Bildungsangeboten für Schulen und neuen Mobilisierungsmaßnahmen für die Petition.
Was wir jetzt brauchen, ist Bündelung. Deshalb suchen wir weitere Mitstreiter:innen – aus Politik, Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft. Denn Kindheit braucht Raum. Und diesen Raum müssen wir jetzt verteidigen, gestalterisch, gesellschaftlich, gesetzlich.

Hier geht es zur Kampagnen-Website.