Wort des Tages: Was macht "Apocalypsing" mit der Liebe?
In dieser Reihe stellen wir täglich ein Wort vor, das wir (gerade) besonders wichtig finden. Heute: "Apocalypsing".

In dieser Reihe stellen wir täglich ein Wort vor, das wir (gerade) besonders wichtig finden. Heute: "Apocalypsing".
Was bedeutet es?
In unsicheren, teils beängstigenden Zeiten angesichts unzähliger Krisen, Krieg und dem Klimawandel, fühlt es sich manchmal ein bisschen so an, als sei die Apokalypse nah. Einsam sterben kommt selbstredend nicht in Frage. Also verliebt man sich im Schnelltempo in das nächstbeste Wesen, das einem über den Weg läuft. Die Sehnsucht nach Liebe und Nähe ist in Krisenzeiten nämlich ein natürlicher, emotionaler Reflex, um mit Ungewissheit und Belastungen umzugehen.
Beschleunigen lässt sich dieser Vorgang mithilfe von Dating-Apps und dann heißt es dalli dalli. Bereits nach dem ersten Kennenlernen – hier reicht häufig ein intensiver Video-Call oder der Austausch von mehreren langen Sprachnotizen – sind beide sich beim "Apocalypsing" einig: Das ist die große (oder wenigstens irgendeine) Liebe!
Klingt verrückt, oder? Aber Krisenzeiten können tatsächlich dazu führen, dass wir unsere Emotionen intensiver erleben – und dementsprechend in den (Liebes-)Turbo schalten: Eilig zieht man zusammen, stellt einander den Eltern vor, plant bereits die Hochzeit, den Nachwuchs, den ersten gemeinsamen Urlaub ... Bloß um nach ungefähr zwei Monaten entsetzt festzustellen, dass man den anderen eigentlich überhaupt nicht abkann ("Ich hasse es, wie du kaust!"). So schnell wie alles anfing, ist es dann auch schon wieder vorbei.
Vorteil: Der Liebeskummer hält sich in Grenzen, immerhin hat man den anderen eh nie richtig gekannt und zum Glück warten bei Tinder und Co. haufenweise potenzielle neue große Lieben, mit denen man der Apokalypse entfliehen kann.
Warum macht man das?
"Apocalypsing" macht Spaß und gibt uns Halt in unsicheren Zeiten. Das Ideal des alten Ehepaares aus dem Kinofilm "Titanic", das sich tapfer und eng umschlungen dem sicheren Ertrinkungstod hingibt, sitzt bei vielen tief im Unbewussten. Wenn ich schon sterbe, dann wenigstens geliebt, beschützt – und damit auch: gesehen. In der Pandemie kam der Faktor Einsamkeit durch Lockdowns und Quarantänen noch erschwerend hinzu und Torschlusspanik kam auf.
Woher kommt es es?
Seit Beginn der weltweiten Corona-Pandemie Anfang 2020 verzeichneten viele Dating-Appseinen Anstieg der Neuanmeldungen und auch eine höhere Aktivität der Nutzer.
Klar, es war damals die einzige Möglichkeit für Singles und auch alle anderen, um mit neuen Leuten in Kontakt zu kommen und damit dem Wunsch nach einer Partnerschaft näherzukommen.
Warum ist es aktuell?
Wir leben gerade in einer Zeit der multiplen Krisen durch wirtschaftliche Unsicherheit, Naturkatastrophen oder politische Konflikte. Sie können Gefühle von Angst und Ungewissheit hervorrufen.
In solchen Zeiten suchen Menschen stärker als sonst nach etwas, das sie kontrollieren oder festhalten können und Beziehungen bieten diese emotionale Stabilität. Idealer Nährboden für "Apocalypsing"!